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Iwein ist ein um das Jahr 1200 Artusroman von Hartmann von Aue. Hartmann übertrug den Yvain ou Le Chevalier au lion von Chrétien de Troyes frei aus dem Altfranzösischen. Iwein, der Held des Romans, ist einer der Ritter der Tafelrunde am Hof von König Artus'.

Stoff und Quelle Bearbeiten

Im Gegensatz zu den deutschen Handschriften des Iwein wurde der Yvain von Chrétien de Troyes in Frankreich prächtig illustriert.

Hartmanns unmittelbare Quelle war der altfranzösische Roman Yvain ou Le Chevalier au lion von Chrétien de Troyes, der entweder um 1177 oder zwischen 1185 und 1188 entstanden ist. Im Gegensatz zur sehr freien Übertragung des Erec blieb Hartmann bei der Übersetzung des Iwein enger an seiner französischen Vorlage. Da die Themen der höfischen Epik inzwischen bei den deutschen Hörern bekannt waren, konnte er nun auf ausführliche erläuternde Exkurse verzichten.

Der Themenkreis um König Artus gehört der Matière de Bretagne an, ursprünglich mündlich überlieferten keltischen Stoffen, die mit den Bearbeitungen Chrétiens in die europäischen Literaturen Eingang fanden.

Handlung Bearbeiten

Prolog Bearbeiten

Wie für mittelalterliche Epen üblich, beginnt Hartmann die Erzählung mit einem Prolog (V. 1-30). Artus wird als ritterliches Vorbild gepriesen, dessen Name unsterblich sei. Daran schließen sich Selbstaussagen Hartmanns an, die in ganz ähnlicher Weise auch schon dem Armen Heinrich vorangestellt waren.

Erster Handlungszyklus Bearbeiten

Der Roman beginnt mit einem Pfingstfest am Artushof, dem Inbegriff höfischer Festlichkeit. Dort hört Iwein die Erzählung des Ritters Kalogreant. Kalogreant berichtet, wie er von einer gastlichen Burg kommend auf eine Lichtung voll wilder Tiere gelangt sei, in deren Mitte ein riesiger, hässlicher und unkultivierter wilder Mann gestanden habe, der sich jedoch nicht als Unmensch, sondern als friedlicher Hirte herausstellte. Kalogreants Versuch, das Geheimnis einer magischen Brunnenidylle im Wald zu ergründen, auf das ihn der wilde Mann aufmerksam machte, scheitert aber völlig: Mit dem Begießen eines Steins löst er ein gewaltiges Unwetter aus, fordert damit die Verteidigung der Quelle durch Askalon, den Landesherrn und Hüter des magischen Brunnens, heraus, wird von diesem besiegt und muss ohne Pferd und Rüstung heimkehren.

Die misslungene aventiure des Artusritters Kalogreant ist für den Artushof die legitime Herausforderung, die Schmach zu rächen. Iwein, der als Verwandter Kalogreants doppelt von der Schande betroffen ist, kommt einem Zug des gesamten Hofes zuvor und reitet heimlich in das Brunnenreich. Die aventiure wiederholt sich, wird aber zum tödlichen Ernst für Askalon. Iwein verfolgt den tödlich verwundeten, fliehenden Askalon bis in dessen Burg. Das heruntergelassene Falltor durchtrennt Iweins Pferd, er selbst bleibt unverletzt, ist aber in der Torhalle eingeschlossen.

Nur mit Hilfe von Lunete, der Vertrauten der Burgherrin Laudine, gelingt es Iwein, den Burgmännern zu entgehen. Aus Dankbarkeit für frühere Hilfe am Artushof erhält er von Lunete einen Ring, der ihn unsichtbar macht. Der tote Askalon wird von seiner schönen Frau Laudine beklagt. Durch ein Fenster sieht Iwein die Herrin und entbrennt in Minne zu ihr. Da die Wunden des Toten durch die Anwesenheit des Totschlägers wieder zu bluten beginnen (Bahrprobe), beginnt eine burleske Suche nach dem Unsichtbaren. Abermals löst Lunete die paradoxe Situation und überzeugt Laudine, dass der Sieger über Askalon dessen würdiger Nachfolger als Ehemann, Landesherr und Brunnenhüter sei. In einer komödiantischen Inszenierung kommen sich Iwein und Laudine unter Vermittlung Lunetes näher. Bald wird die Hochzeit gefeiert.

Nun kommt der Artushof zur Quelle und Iwein muss seine Rolle als Brunnenhüter erstmals erproben. Dies gelingt gegen Keie, den exemplarischen missgünstigen Ritter des Artushofes. Der ganze Hof feiert nun die Heirat von Iwein und Laudine. Damit ist die Handlung zu einem vorläufigen Ende gekommen, Iwein ist neben der êre des Sieges unverhofft auch eine Ehefrau und Landesherrschaft zugefallen.

Versagen und Wahnsinn Iweins Bearbeiten

Auf Drängen seines Freundes Gawein, der Iwein das verligen Erecs als warnendes Beispiel vorhält, verlässt Iwein schon kurz nach der Hochzeit Laudine und zieht auf Turnierfahrt und âventiure aus. Laudine fordert von Iwein das Versprechen ein, nach Jahr und Tag zurückzukehren. Dieser Zeitraum bedeutet eine rechtswirksame Frist, nach deren Ablauf Ansprüche an mögliche Usurpatoren abgelaufen sein würden. Der schmerzliche Abschied der Liebenden ist von Minneharmonie geprägt. In einem Dialog zwischen dem Erzähler und Frau Minne wird thematisiert, dass Iwein und Laudine ihre Herzen getauscht haben, was zu folgenreichen Konsequenzen führen wird.

Iwein gibt sich den Aufregungen der Turniere hin und bemerkt erst zu spät, dass er die ihm aufgetragene Frist bereits um sechs Wochen versäumt hat. Lunete klagt ihn öffentlich vor der Artusrunde als Verräter an und nimmt ihm den Ring. Vor dem Artushof ist seine Ehre dahin und Laudine bricht jede Verbindung mit Iwein ab. Damit hat Iwein seine Identität verloren; vom durch melancholia ausgelösten Wahnsinn ergriffen, reißt er sich die Kleider vom Leib und wird zum Wilden im Wald. Die einzige soziale Bindung ist eine wortlose Tauschbeziehung zu einem Einsiedler. Erst durch die Hilfe der Dame von Narison und ihrer Begleiterin, die ihn mit einer von der Fee Feimorgan hergestellten Wundersalbe von seinem Wahnsinn heilen, kommt Iwein wieder zur Besinnung. Seine frühere Identität als Ritter erscheint ihm wie ein Traum. Er muss erkennen, dass er nicht mehr zur höfischen Gesellschaft gehört.

Zweiter Handlungszyklus Bearbeiten

Iwein befreit das Land der Dame von Narison von dem Grafen Aliers, der Ansprüche darauf erhebt. Die Dame von Narison und das ganze Land wünschen sich ihn zum Landesherrn, doch er will dies nicht und bricht überstürzt auf. Noch zwei weitere Male schlägt er im Verlaufe der Geschichte aus Treue zu Laudine eine Heirat aus.

Iwein rettet einen Löwen vor einem Drachen. Dieser bleibt nun treu an seiner Seite und gibt Iwein eine neue Identität als der Ritter mit dem Löwen.

Der Zufall führt ihn wieder an die Quelle zurück, wo ihn die Erinnerung an seinen Verlust ohnmächtig vom Pferd stürzen lässt. Iwein ist nahe daran, seinen Verstand erneut zu verlieren. Da findet er bei der Quelle Lunete, die wegen ihrer Rolle bei der Heirat und Iweins Treuebruch zum Tode verurteilt ist. Nur ein Gerichtskampf kann noch ihre Unschuld beweisen, die Frist dafür läuft am folgenden Tag ab. Iwein erkennt seine Schuld an und sichert Lunetes Verteidigung zu.

Unmittelbar danach verpflichtet er sich aber auch seinem Gastgeber zur Hilfe im Kampf gegen den Riesen Harpin am nächsten Morgen und gerät damit in einen Terminkonflikt. Iwein besteht aber mit Hilfe des Löwen den Kampf mit dem Riesen rechtzeitig, so dass er auch Lunete erfolgreich verteidigen kann. Die Kämpfer der Anklage erleiden diejenige Strafe, die eigentlich Lunete zugedacht gewesen wäre: Sie werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Laudine, die den Löwenritter in seiner neuen Identität nicht erkennt, erfährt davon, dass diesem Löwenritter die Huld einer Dame entzogen worden sei. Sie verurteilt dies - unwissend, dass sie selber diese Dame ist.

Da die Beziehung beider noch nicht geklärt ist, verlässt Iwein Laudine wieder. Er übernimmt nun die Verteidigung der jüngeren Tochter des Grafen vom Schwarzen Dorn in einem Erbstreit gegen ihre ältere Schwester. Gemeinsam mit dem Mädchen macht Iwein sich auf den Weg und gelangt auf die Burg zum Schlimmen Abenteuer, wo er gegen zwei Riesenkämpfen muss, um dreihundert gefangene und in ein Arbeitshaus eingesperrte adlige Damen befreien zu können.

Anschließend reitet Iwein mit seiner Begleiterin zum Artushof, wo es zu dem Gerichtskampf kommt. Die Verteidigung der Schwester hat ausgerechnet Iweins Freund, der musterhafte Artusritter Gawein, übernommen. Unerkannt kämpfen Iwein und Gawein gegeneinander, ohne dass einer den anderen besiegen kann. Nachdem die Dunkelheit einbricht und der Kampf auf den folgenden Tag verschoben wird, erkennen Iwein und Gawein im Gespräch einander wieder. König Artus bringt die ältere Schwester durch eine Fangfrage dazu, sich zu verraten und verhilft der jüngeren Schwester zu ihrem Recht. Jetzt gibt Iwein sich zu erkennen und wird freudig wieder in die Artusrunde aufgenommen.

Obwohl Iwein große Ehre erlangt hat, ist er sich sicher, dass er an Liebeskummer sterben wird. Erneut in der Tarnung als Löwenritter kehrt er an den Hof Laudines zurück, gewinnt diese aber erst nach einer komödiantischen Intrige Lunetes zurück: Laudine verpflichtet sich unter Eid, dem Löwenritter, der den Stein am Brunnen begossen hat, zu helfen, die Gunst seiner Dame zurück zu erlangen. Damit muss Laudine Iwein vergeben, der seine Reue beteuert und verspricht, ihre Huld nie wieder zu verspielen. Beide erneuern ihre Ehe und ihre Liebe.

Siehe auch Bearbeiten